Jessica Wyrsch aus Davos ist seit mehr als 10 Jahren in der Event-Branche tätig. Seit September 2023 ist sie Co-Founder von Good2Green (ehemals Vermena) einem Unternehmen, das sich auf das Thema CO-Emissionen für Events spezialisiert hat. In unserem Interview gibt Jessica wertvolle Einblicke in diese Thematik.

Jessica Wyrsch aus Davos ist seit über 10 Jahren in der Eventbranche tätig und seit September 2023 Co-Founder von Good2Green (ehemals Vermena), einem Unternehmen, das sich auf CO2-Emissionen bei Events spezialisiert.

Nachhaltigkeit ist im Business Event Management zu einem zentralen Thema geworden – getrieben von ESG-Verpflichtungen, neuen EU-Berichtspflichten wie der CSRD und steigenden Erwartungen der Teilnehmenden. Im Interview erklärt Jessica Wyrsch, Mitgründerin von Good2Green, wie Organisationen den CO₂-Fußabdruck ihrer Events messen und reduzieren können – insbesondere durch Maßnahmen bei Reisen, Catering und Energie. Praxistipps sind die Emissionsberechnung pro Event, das Angebot virtueller Teilnahme und die Zusammenarbeit mit nachhaltigkeitsorientierten Dienstleistern.
Jessica, wie bist du zum Thema Nachhaltigkeit bei Events gekommen?
Das ist eine spannende Frage! Mein Interesse an Nachhaltigkeit bei Events wurde durch mehrere Faktoren geweckt. Zunächst machten Events im Jahr 2020 10% aller Weltemissionen aus – das ist eine enorme Summe. Vorwiegend internationale Konferenzen trugen damals aufgrund der hohen Reiseaktivitäten der Teilnehmenden dazu bei.*
Nachhaltigkeit ist also ein heißes Thema, insbesondere in der EU. So gibt es zum Beispiel seit Beginn dieses Jahres ein neues Gesetz (CSRD-Gesetz), welches Unternehmen ab einer bestimmten Größe verpflichtet einen Nachhaltigkeitsreport zu erstellen. Ich fand dies sehr spannend und überlegte mir wie dies in der Event-Welt sich austragen wird.
Der entscheidende Moment war jedoch, als ich an einer Konferenz gearbeitet habe, bei der das Thema Nachhaltigkeit im Mittelpunkt stand. Dort habe ich beeindruckende Beispiele und Best Practices gesehen, wie man Events umweltfreundlicher gestalten kann. Das hat mich inspiriert und motiviert, mich intensiver mit diesem Thema auseinanderzusetzen und zu überlegen, wie ich selbst dazu beitragen kann Veranstaltungen nachhaltiger zu gestalten.
Seitdem habe ich mich kontinuierlich weitergebildet, mit Experten ausgetauscht und nachhaltige Konzepte in meine eigene Arbeit integriert. Es ist unglaublich befriedigend zu sehen, wie kleine Veränderungen große positive Auswirkungen haben können und wie das Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der Eventbranche wächst.
Was hat euch dazu bewogen mit Good2Green Unternehmen bei der Berechnungen von Nachhaltigkeitsberichten zu unterstützen?
Wer in der Event-Welt tätig ist weiß, wie viele Ressourcen bei Veranstaltungen verbraucht werden und welche Auswirkungen dies auf die Umwelt hat. Zudem sagen Events sehr viel über eine Unternehmung aus bezüglich Image. Sobald wir an einem Event einen Plastikbecher sehen, verurteilen wir die Unternehmung und urteilen schnell «die sind ja gar nicht so nachhaltig wie immer sagen». Jedoch gibt es verschiedene Faktoren zu beachten, welche nicht immer vom Auge sichtbar sind.
Ein paar weitere Punkte welche entscheidend waren:
Jeder Event ist individuell, da scheint es eine große Herausforderungen Emissionen zu berechnen. Wie geht ihr dabei vor?
Unser Ansatz zur Emissionsberechnung umfasst mehrere Schritte um sicherzustellen, dass wir eine möglichst genaue und umfassende Analyse durchführen:
Indem wir diesen strukturierten Ansatz verfolgen können wir sicherstellen, dass die Emissionen von Events möglichst genau berechnet werden und die Veranstalter wertvolle Einblicke und Handlungsempfehlungen erhalten, um ihre Veranstaltungen nachhaltiger zu gestalten.
Kann es für die Event-Registrierung ein Hindernis sein, wenn Teilnehmende Informationen zur Anreise angeben müssen?
Für die Teilnehmenden werden diese Daten bezüglich Teilnehmenden-Informationen relative diskret aufgenommen und die Teilnehmenden merken oft gar nicht, dass es Fragen in der Event Registration hat, welche sich auf die Nachhaltigkeit beziehen. Nichtsdestotrotz sind Teilnehmende gewillt umweltfreundlich zu handeln und sehen es sogar als positiv an, dass der Veranstalter sich aktiv um die Umweltbelange kümmert.
Aus Sicht der Veranstalter ist dies ein minimaler Aufwand die Teilnehmenden Informationen für die CO2 Berechnungen zu generieren. Oftmals wird mit 1-2 Fragen in der Event-Registrierung eine gute Analyse erstellt.
Nach der Pandemie hat die Anzahl physischer Events wieder stark zugenommen. Auf der anderen Seite hat fast jedes Unternehmen gelernt online Events durchzuführen. Was ist deine Empfehlung bezüglich Wahl des Event-Formats mit Blick auf Nachhaltigkeit?
Die Wahl des Event-Formats mit Blick auf Nachhaltigkeit sollte sorgfältig abgewogen werden, da sowohl physische als auch online Events ihre eigenen ökologischen Fußabdrücke und Vorzüge haben. Hier sind einige Empfehlungen, um eine nachhaltige Entscheidung zu treffen:
Online Events sind ideal für Veranstaltungen, bei denen der Hauptzweck Wissensvermittlung, Networking oder Schulungen ist und die Teilnehmenden geografisch weit verstreut sind. Online Events eliminieren Reiseemissionen und reduzieren den Energieverbrauch erheblich.
Physische Events sind sinnvoll, wenn persönliche Interaktionen, praktische Workshops oder das Networking-Erlebnis eine entscheidende Rolle spielen.
Eine Option besteht darin, hybride Veranstaltungen zu organisieren. Dabei können die Vorteile beider Formate vereint werden, indem sowohl physische als auch virtuelle Elemente integriert werden. Teilnehmenden haben die Wahl, ob sie persönlich anwesend sein oder online teilnehmen möchten, was die Flexibilität und Reichweite erhöht und gleichzeitig die Umweltbelastung verringert.
Indem man eine CO2-Bilanz beider Formate durchführt, kann man den ökologischen Fußabdruck vergleichen. Obwohl online Events einen geringeren CO2-Fussabdruck haben, da sie Reise und Unterkunftsemissionen vermeiden, sind die Emissionen nicht bei null. Wichtig ist, dass man eine gute Analyse durchführt, was man als Veranstalter erreichen möchte mit dem Event und so bewusst Entscheidungen trifft.
Kannst du uns einfache Beispiele nennen, wie Event-Verantwortliche dem Thema Nachhaltigkeit gerecht werden können?
Klar, hier ein paar gute Beispiele wie man Nachhaltigkeit einfach in Events einbauen kann:
Nachhaltigkeits-Maßnahmen für physische Events:
Technologische Effizienz für online Events:
Könntest du uns Beispiele nennen, wo ihr solche Maßnahmen bereits umsetzen konntet?
In unserem Report, welcher automatisch generiert wird durch die Plattform werden direkte Empfehlungen für den Event gegeben, wie man den ökologischen Fußabdruck minimieren kann. Gute Beispiele sind sicherlich das Wiederverwenden von Möbeln, die Auswahl von Materialien oder es kann auch sehr simpel sein, wie zum Beispiel aufzuzeigen wie viele Emissionen gespart werden können, wenn man auf ein Buffet anstelle von servierten Mahlzeiten setzt.
Wie kann der Erfolg von Nachhaltigkeitsmaßnahmen gemessen werden?
Diese Frage ist super, denn hier gibt es genügend Wege den Erfolg zu messen.
Hier sind einige wichtige Methoden und Kennzahlen, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu bewerten:
Wie siehst du die Zukunft der Nachhaltigkeit in der Event-Branche? Welche Trends und Entwicklungen erwartest du?
Die Zukunft der Nachhaltigkeit in der Event-Branche wird maßgeblich von technologischen Innovationen und dem steigenden Druck von Stakeholdern geprägt sein. Moderne Softwarelösungen zur präzisen Emissionsberechnung und Echtzeit-Tracking werden es Veranstaltern ermöglichen, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen und ihre Leistung kontinuierlich zu verbessern. Gleichzeitig werden wachsende Erwartungen von Kunden, Regulierungen und Investoren die Nachfrage nach umweltfreundlichen Praktiken weiter erhöhen. Durch diese Entwicklung wird die Veranstaltungsbranche zunehmend transparenter und nachhaltiger, wodurch Unternehmen langfristig wettbewerbsfähiger werden und ein positives Image in der Öffentlichkeit erhalten.
Jessica, vielen Dank für das spannende Interview. Wir wünschen dir viel Erfolg mit Good2Green.
* Quelle: Tao, Y., Steckel, D., Klemeš, J. J. & You, F. (2021). Trend towards virtual and hybrid conferences may be an effective climate change mitigation strategy. Nature Communications.
Nachhaltigkeit spielt im Eventmanagement eine zentrale Rolle, da Veranstaltungen oft mit hohem Ressourcenverbrauch verbunden sind – etwa durch Anreise, Energie, Catering und Materialeinsatz. Durch nachhaltigere Planung können Emissionen reduziert und Events insgesamt verantwortungsvoller gestaltet werden.
Bereits kleine Anpassungen haben grosse Wirkung: digitale Einladungen statt Papier, der Einsatz regionaler und saisonaler Produkte im Catering sowie die Reduktion von Einwegmaterialien. Auch eine optimierte Anreiseplanung oder die Nutzung digitaler Eventtools tragen wesentlich zur Nachhaltigkeit bei.
Eine Eventsoftware unterstützt nachhaltige Events durch digitale Prozesse wie Online-Registrierung, automatisierte Kommunikation und papierlose Check-ins. Dadurch werden Ressourcen eingespart, Abläufe effizienter gestaltet und gleichzeitig Daten für eine bessere Planung und Optimierung bereitgestellt.
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